Presse: Deutsches Handwerksblatt über den Beo
Gerade wichtig für Kinder: Ein Rollstuhl wächst mit
Orthopädiemechanikermeister Wolf überzeugt mit seiner Erfindung: Innovationspreis
von
Oliver Kreft
Um etwas Bahn brechend Neues zu erfinden, bedarf es Leidenschaft für das, was man tut: Genau diese Leidenschaft kennzeichnet den Binger Gregor Wolf. Er entwickelte mit seinem Team einen „mitwachsenden“ Kinderrollstuhl und erhielt dafür den „Innovationspreis Rheinland Pfalz 2008“.
„Die Aufforderung eines frustrierten Vaters, der seine auf den Rolstuhl angewiesene Tochter alles andere als optimal versorgt sah“, war laut Gregor Wolf die Antriebsfeder für seine Erfindung, den Beo. Wolf ließ damals - Anfang 2007 - nicht locker, tüftelte solange bis der Prototyp nicht nur am Reißbrett sondern schließlich auch aus Holz im November des selben Jahres vor ihm stand.
Das Ergebnis war ein Kinderrollstuhl als individuelle Sonderanfertigung, der sich nach den Kriterien der Serienproduktion bauen lässt. Für die kleinen Piloten bedeutet der Beo einen Zugewinn an Lebensqualität durch Steigerung ihrer Mobilität, für das Gesundheitswesen birgt er eine immenses Kosteneinsparpotenzial: „Eine Maßanfertigung ist normalerweise exorbitant aufwändig und wird von den Kostenträgern nur sehr ungern übernommen“, unterstreicht Wolf. Zwar ist der Beo eine Maßanfertigung, doch das Binger Unternehmen konnte den Produktionsaufwand und damit auch die Kosten auf einen Bruchteil dessen reduzieren, was eine Maßanfertigung bei den Wettbewerbern kostet. „Der Beo vereint die Eigenschaften eines Maßanzugs auf sich und kostet so viel wie ein Anzug von der Stange“, bringt der Orthopädiemechaniker die Vorzüge seiner Erfindung auf den Punkt.
Möglich macht es das Know-how: „Wir haben uns vom konventionellen Rollstuhlbau ein für allemal verabschiedet“, sagt der Unternehmenschef, dessen Betrieb über 28 Mitarbeiter verfügt. Der Beo mit seiner funktionalen Sitzschale basiert nicht auf einem Rohrsystem, bei dem die einzelnen Rohre verschweißt, verklebt und gesteckt sind. Das eigentliche Herzstück des Know-how-Wunders Beo sind seine Seitenteile. „Diese Seitenteile werden für jeden Patienten individuell per CAD konstruiert“, erklärt Wolf. Das Schneiden der Seitenteile aus Aluminium mit einem Hochdruckwasserstrahlgerät sei wenig aufwändig und benötige kaum mehr als drei Stunden, bemerkt der Geschäftsführer.
Wolf setzt mittlerweile bei der Produktion der Beo-Rollstühle auf Unternehmen in der Schweiz und Rheinland-Pfalz und schwört auf Synergieeffekte. Ein drittes - ebenfalls regionales Unternehmen - soll in Kürze in die Beo-Produktion eingebunden werden.
Eine Erfolgsgeschichte mit offenem Ende also. Auch deshalb, weil das Feedback der Fachwelt für den als Weltneuheit auf der Orthopädiemesse in Leipzig vorgestellten Beo, lat Wolf „überragend“ war. Die Nachfrage nach dem innovativen Rollstuhl verzeichnete einen rasanten Anstieg: „Vorrübergehend waren wir sogar gezwungen alle weiteren Produktionen für den Fachhandel einzustellen“, berichtete Wolf.
Gegenwärtig gibt es neun verschiedene Modelle beim Beo und selbst vor der Entwicklung eines Sportrollstuhls, der eine Schlagkraft von bis zu 1,7 Tonnen aushält, machte der Rollstuhlbaupionier aus Bingen nicht Halt.









